Conny + Max

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Die Suche nach einem für uns geeignetes Fahrzeug war sehr spannend und mühevoll. Hier möchten wir kurz unsere Vorstellungen und Anforderungen erläutern und dann über 5 spannende Fahrzeugbesichtigungen berichten die uns bis nach Norwegen führten um unsere Schwalbe zu finden und nach Deutschland zu überführen.

Die Eckdaten für ein Reisefahrzeug waren recht früh klar:

Sitzplätze: 5
Verbrauch : 25l/100km auf Teer
Aufbaulänge: 4,25m
Geschwindigkeit: 80km/h

Daher ergaben sich unsere ersten Recherchen im Internet (wo auch sonst heutzutage). Es gabFahrzeuge die uns preislich gefallen, bisher waren sie jedoch leider schon so weit benutzt, dass wir Bedenken hatten, mit ihnen auf Reisen zu gehen. Dann gab es Fahrzeuge, die uns optisch und vom Zustand her gefallen, leider liegen diese dann auch nur knapp unter dem Neupreis, sind also unerschwinglich für uns. Weiterhin gab es Fahrzeuge, die uns optisch und preislich gefallen, leider sind diese dann so alt oder exotisch, dass wir fürchten, dass es kaum Ersatzteile geben wird. Zudem ergaben Recherchen, dass sich der Dieselverbrauch von jenseits der 25l/100km auf Teer einpendeln wird.
Unser 1ter Versuch war ein orange-farbener Mercedes Benz 917 AK mit einer kurzen Doppelkabine, welchen wir über das Internet gefunden haben. Standort war in der Nähe von Nürnberg. Nachdem wir uns telefonisch angekündigt hatten, sind wir zu dem Händler gefahren. Dort angekommen, wurden wir auf einen sehr abgelegenen Stellplatz begleitet, wo Fahrzeuge abgestellt waren, die augenscheinlich nicht mehr fahrtüchtig waren. Nach kurzer Betrachtung des äußeren Zustandens wollten wir den Motor starten. Keine Reaktion! Daher machte sich der Verkäufer auf den Weg, um geeignete Starterbatterien zu besorgen. Also waren wir allein und hatten genug Zeit, unsere gründlich vorbereitete Checkliste abzuarbeiten. Die Fehlerliste wurde länger als erwartet. Zu den Fehlern später mehr, da sich einige Fehler als gravierend herausstellen werden. Nach geschlagenen 2 Stunden tauchte der Händler wieder auf und brachte die erwünschten Starterbatterien mit. Nachdem der Lkw an war, wurde die Fehlerliste um einige Punke erweitert. Elektrik, Motor und Sperren waren fehlerhaft. Alles war reparabel, aber wie teuer wird es, alles wieder zuverlässig Instand zu setzen? Die größten Kopfschmerzen bereitete uns der Motor. Erstens ging er kurz nach dem Start einfach wieder aus (trotz ausreichend Kraftstoff im Tank), zudem war die Ölwanne komplett verölt. Weiter ging es mit der Seilwinde, diese verlor auch Öl. Das Nächste was uns auffiel war, dass fast an dem gesamte Antriebsstrang ein leichter Ölfilm zu finden war.

Vorderachse

Vorderachse

Verteilergetriebe

Verteilergetriebe

Daher berieten wir uns kurz, ob wir die Kosten für die Reparaturen tragen, und möglicherweise selbst durchführen können. Aufgrund der Fehlerliste und der nicht 100%ig absehbaren Reparaturkosten entschieden wir uns gegen das Fahrzeug. Somit fuhren wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause, nicht ahnend, dass wir diesen Lkw nochmal wiedersehen werden.

Der 2te Versuch war ein sandfarbener MAN 9.150 mit kurzer Doppelkabine. Dieser stand auf der Ostseeinsel Rügen. Dort angekommen, hatten wir die Chance das Fahrzeug auf dem weitreichenden Werksgelände, trotz fehlendem Führerscheins, Probe zu fahren. Das Fahrgestell war in einem sehr guten Zustand, kein Ölverlust, kein Knacken und kein Schleifen, besser als beim letzten Mal! Leider war das Führerhaus das genaue Gegenteil: Rost und Risse waren überall. Der Kabine sah man die bereits gelaufenen 190.000 km an. Diese wurden nicht nur auf Teer, sondern wie es sich für so ein Gefährt gehört, auch abseits der Straßen abgespult. Das war deutlich erkennbar: Sand und Staub in jeder Ritze!

Mit gemischten Gefühlen verließen wir den Verkaufer. Nachdem wir im Internet herausgefunden hatten, wie teuer ein neues Führerhaus ist, entschieden wir uns gegen das Fahrzeug.

Somit kommen wir nun zum Versuch Nummer 3. Wir fanden über das bekannte online-Portal für Gebrauchtfahrzeuge ein interessantes Angebot für ein MAN 10.163 in der Farbe weiß. Dieser stand in Northeim. Da der optische Zustand sehr gut war, machten wir sofort eine Probefahrt. Diese war schneller beendet als gedacht. Die Lenkung hatte so viel “Spiel” das ein sicheres Fahren auf öffentlichen Straßen nicht möglich war. Daher waren wir sehr schnell wieder auf dem Hof des Händlers. Nach einer kurzen Diskussion über die angebrachte TÜV-Plakette in Kombination mit der nicht-vorhandenen Fahrsicherheit, waren die Kaufüberlegungen schnell beigelegt.

Da der Händler an diesem Tag aber noch ein Verkauf abschließen wollte, lud er uns ein, sich doch mal in seiner Werkstatt umzusehen, um ein geeigentes Fahrzeug für uns zu finden. Prompt standen wir vor unserem 1ten Versuch. Wir lehnten dankend ab.

Der 4te Versuch war ein IVECO 110-17AW der Deutschen Bundeswehr. Dieser Stand in Potsdam. Nach Begutachtung des äußeren Zustandes, der wirklich erstaunlich gut war, nahm ich Platz zum Probesitzen. Leider stellte sich die Kopffreiheit als sehr großes Problem heraus, denn sie war quasi nicht vorhanden! Nun begannen die Überlegungen, wie man für mich Riesen (196 cm) dort Platz schaffen könnte. Eine Möglichkeit ist, die Sitzkonsole um ca 5-7cm zu verkleinern. Dadurch würde sich aber die Sitzposition so stark verändern, das ein gemütliches Fahren wahrscheinlich nicht mehr möglich wäre, aber genau darauf kommt es ja bei einem Reisemobil schließlich an! Dennoch machten wir eine kleine Probefahrt, um zu schauen, wie sich so ein “alter” Laster fährt.

Inspektion Motorraum

Inspektion Motorraum

Kopffreiheit fehlt

Kopffreiheit fehlt

Nach einer Runde über die örtlichen Landstraßen kamen wir zu dem Ergebnis, dass dieser Lkw nicht für uns in Frage kommt. Selbst mit ausreichender Kopffreiheit würde das Fahren durch die sehr straffe Abstimmung des Fahrwerks, was für 11 Tonnen ausgelegt ist, und der luftgekühlte Motor, doch sehr anstrengend werden. Wir fuhren wieder zurück zum Hof und bedankten uns für die Probefahrt. Somit konnte die anfängliche Liste um zwei Punkte erweitert werden: Kopffreiheit und einen wassergekühlten Motor.

Der 5te Versuch war erneut ein MAN 9.150 Doka, also ein Fahrzeugtyp, den wir uns bereits früher auf Rügen angesehen haben. Nach 3 Stunden Fahrt kamen wir auf dem Betriebsgelände des Verkäufers an. Dort stand eine bekannte Silhouette, eine MAN Doka in Orange, diesmal aber mit einem Kran/Pritsche-Aufbau. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Verkäufer wurden wir für die genauere Inspektion des Fahrzeugs allein gelassen. Da wir bereits früher schon solch ein Fahrzeug in Augenschein genommen haben, wussten wir um die Schwachstellen. Die Kabine war äußerst mitgenommen. Rost und die Versuche diesen zu beseitigen waren eindeutig erkennbar. Zudem entdeckten wir noch einige unschöne  Unfallschäden an der Frontpartie, die uns auf den Fotos verborgen geblieben waren. Auch im Innenraum war es leider nicht besser. Die Kabine war abgewohnt, die Sitze zerrissen und es fehlten viele Verkleidungsteile. Alle Sachen wären ersetzbar, aber die Instandsetzung einer Doka-Kabine ist leider nicht ganz so einfach, da die Teile erfahrungsgemäß sehr rar sind.

Fahrgestell

Fahrgestell

Christian vor dem MAN 9.150

Christian vor dem MAN 9.150

Nun aber zu den guten Dingen: wiedereinmal war am Rahmen und Motor kaum etwas auszusetzen. Das Motorgeräusch war angenehm leise und der Motor relativ trocken. Alle Differentiale sahen erstaunlich gut aus. Zudem war der extra-lange Radstand von 3,80m sehr interessant, da hier unser Shelter gut passen würde.

Wieder einmal kommen wir zu dem Schluss, dass der finanzielle sowie zeitliche Aufwand, die Kabine zu restaurieren, unser Budget übersteigt.

Der 6te Versuch war ein Erfolg! Ju – Hu, wir haben ihn,  unseren Wunsch-Lkw! 🙂

Der Urlaub in Norwegen hatte den Hintergrund, in Jessheim vorbeizuschauen und dort einen MAN 9.136 mit kurzer Doppelkabine Probe zu fahren. Das Fahrzeug erfüllte alle unsere Voraussetzungen: eine kurze Doppelkabine für 5 – 6 Mann sowie ausreichend Kopffreiheit, einen langen Radstand für unsere Kabine, einen angeblichen Verbrauch von 18l/100km und eine Endgeschwindigkeit von 100km/h. Alles weitere ist unter “Datenblatt” zu finden.

Für die Abholung unserer „ Schwalbe”  habe ich mir frei genommen, um alles in Ruhe abwickeln zu können. Da am Montag ein Feiertag war, passierte erst mal nichts. Am Dienstag wurde dann Kontakt mit einer in Kiel ansässigen Spedition aufgenommen, denn als Privatperson blickt man kaum noch durch den Dokumentendschungel (LKW – Einfuhr aus einem Nicht- EU Land). Die Spedition bereitete für uns  die Zollerklärung vor. Am Mittwochabend ging es nach Berlin zu Connys  Eltern und am nächsten Tag flog ich nach Oslo. Dort angekommen wurde ich herzlich von dem Verkäuferpaar in Empfang genommen. Nachdem auch die Übernachtungsfrage in einem kleinen Hotel geklärt war, ging es endlich zur „Schwalbe”.
Ich nahm mir Zeit, sie noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und Fotos zu machen, da diesmal ja der Feuerwehraufbau weg  war und sich so ein völlig anderes Bild bot. Am Freitag wurde dann die „Schwalbe” auf einen Abschleppwagen geladen, denn sie war auch in Norwegen abgemeldet, und los ging die Fahrt nach Oslo in den Cargo-Bereich der Color Line. Dort half mir Marius, der Fahrer des Abschleppers, mit der Anmeldung und ich bekam die EUR.1 und meine Bordkarten. Nachdem ich meine Kabine gefunden hatte, gar nicht so leicht bei 13 Decks, blieb ich noch eine Weile auf dem Aussichtsdeck und genoss die letzten Sonnenstrahlen, bevor Nebel einsetzte und die Sicht versperrte.

Aufgeladen

Aufgeladen

Verladung

Verladung

Am Samstag kam ich gut ausgeruht in Kiel an. Die Zollabfertigung dauerte, dank der Vorbereitung durch die Spedition, nur eine Stunde. Nachdem die Einfuhrumsatzsteuer bezahlt war, hielt ich mit Freuden die Zollunbedenklichkeitserklärung in meinen Händen, unsere Fahrkarte die „Schwalbe” in Deutschland zuzulassen. Nun ging die 360km lange Fahrt nach Berlin los. Auf der Landstraße 404 wurde zum ersten Mal getankt und ich habe auch nochmal alle Temperaturen der Getriebe überprüft, Fazit: alles Handwarm und somit in bester Ordnung! Ein kleines Problem gab es dennoch, der  Schlauch für die ehemalige Heizungsanlage im Aufbau war an einem Ventil undicht geworden. Mit ein paar Handgriffen war auch dieses Problem schnell beseitigt. Die restlichen 330km waren recht ereignislos. Auf der Hälfte der Strecke machte ich eine kurze Pause, wobei der LKW auf dem Rastplatz, vor allem bei ausländischen Reisenden, für Aufsehen sorgte. Kurz vor 17.00 Uhr kam ich dann am Garten an, wo Conny bereits sehnsüchtig wartete.

Die Taufe

Die Taufe

Endgültige Parkposition

Endgültige Parkposition